1970

*Triggerwarnung Suizid/Depression*

Heute ist Welttag der Suizidprävention. Jedes Jahr begehen laut Schätzungen der WHO weltweit mehr als 700 000 Menschen Suizid. Der Präventionstag lenkt die Aufmerksamkeit auf den Bedarf an flächendeckend dauerhaft finanzierten Angeboten für Menschen, die sich in suizidalen Krisen befinden.

http://welttag-suizidpraevention.de/

Ich möchte mit diesem Gedicht, das von wahren Ereignissen inspiriert ist, das Bewusstsein für dieses wichtige Thema schärfen.

1970

Siebzehn Jahre ging die Sonne
über ihren Köpfen auf
Siebzehn Jahre Hand in Hand
nahm das Leben ihren Lauf

Dunkle Haare, warme Augen
alles gleichsam, Freud und Leid
Zwei Herzen, die das schwerste Los
leicht nahmen, weil man´s teilt

Kameradin, vertraute Seele
Verbündete, fast noch ein Kind
trat trist an sie heran:

„Dieser Schmuck an meiner Kehle
soll dich erinnern, wer wir sind
wenn ich es mal nicht kann.“

Volles Leben, voller Lachen
sprühte Funken, steckte an
immer fröhlich, immer offen
liebestrunken von diesem Mann

nahm das Leben einen Abzweig;
der Weg zu schmal für zwei
Kind im Kinde, geteiltes Land
erreur fatale und stummer Schrei

Die Zukunft blass
der Blick entrückt
das Herz wog nun
zwei Leben schwer

Gewicht das auf
die Hoffnung drückt
versperrt die Sicht
kein Ausweg mehr

Schande, Wut,
enttäuschte Werte
Heimat, die
die Hand verwehrte

ließ sie zurück
als das Herz ihr bricht,
als alle Stricke rissen
nur dieser letzte nicht


Siebzehn Jahre
Fast noch ein Kind
Kein Schmuck
um ihre Kehle

Ein letzter Gruß
auf dem Papier:
„Ich geh allein
und lass die Schwere hier.“

Ein Gedanke zu “1970

  1. nebelkammer sagt:

    Suizid… ist das Selbstmord oder Freitod, Verzweiflung oder Selbstbestimmung?
    Wirft der Suizidale Lebenszeit weg oder nimmt er in die Hand, was ansonsten dem Zufall/Schicksal überlassen bliebe?
    Entzieht sich der Suizidale seiner Verantwortung (und jenen, die ihn lieben), oder verwirklicht er seine Freiheit, zu leben wie und solange er will?
    Wer hat das Recht darüber zu entscheiden?
    Was ist tragisch am Suizid, nimmt er doch nur den Tod vorweg, der sowieso kommen wird?
    Ist das Entsetzen vor dem Suizid ein Symptom der allgemeinen Verdrängung des Tods?
    Trifft die Länge des Lebens eine Aussage über dessen Qualität?
    Und was bedeutet Lebensqualität, wenn mit dem Tod alles ausgelöscht ist, als wäre es nie geschehen?
    Wer erinnert sich der Menschen, die gelebt haben vor 1000 Jahren?
    Was bedeutet es, Menschen zu retten, die sterben wollen, während Kinder verhungern, die leben wollen?
    Was ist Freiheit?
    LG Michael

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