Verborgenheit

Meine Worte hat der Mut verlassen. Sie verstecken sich feige auf meiner Zunge, rutschen ängstlich zurück in den Hals und formen dort den berühmten Kloß. Gerade eben noch waren wir nur ein Plätschern, ein Spaziergang, ein Plaudern. Ohne Ziel – und deshalb ohne Gewinner und Verlierer.

Was ist geschehen? Wo kommt so plötzlich diese Ausdehnung her? Wo die Schwere, die Tiefe, die Intensität?

Ich halte mir die Augen von innen zu wie ein kleines Kind, in der Hoffnung, die Realität möge mich nicht finden und betrüge mich damit mit mir selbst. Denn manchmal kann eine Wirklichkeit so beflügelnd sein, als wäre sie ein Traum.

Doch ich stutze mir die Schwingen, noch ehe ich den Himmel entdeckt habe. Vielleicht aus Angst, seine Schönheit könnte mich verbrennen und ich zerfalle wie schimmernde Asche im Licht. Möglicherweise ist das die Geburt von Glühwürmchen? Möglicherweise sind sie deshalb so selten geworden, weil nicht nur ich mich davor fürchte, flimmernd in den Flammen meiner Fantasie aufzugehen, sondern zu viele von uns.

Nein – sie sind selten, weil wir ihre Welt mit Licht verschmutzen. Wir lassen nichts mehr im Dunkeln, alles wird beleuchtet. Und so verschmutzen wir auch das peterpan´sche Nimmerland in uns mit zu viel Klarheit. So manches Mal wünschte ich, mich in meinen Träumen verlieren zu können und dort gefunden zu werden.

So viel schöner wäre die Zeit, könnte ich ihren Zeiger gegen den Sinn drehen. Die Sanduhr wenden und ihren Inhalt nach oben fallen sehen. Verborgene Schätze in einem anderen finden und sie dort belassen, in dem Wissen, dass wir dieses Geheimnis von nun an miteinander teilen. Wie flüsternde Kinder im Schein der gedimmten Taschenlampe unter der Decke des Erwachsenseins.

Ein Gedanke zu “Verborgenheit

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