Wutprobe

Sieben.
Nicht Wochentage, nicht Weltwunder oder Zwerge.

„Sieben“, der Film ist es, der mir immer wieder in den Sinn kommt, wenn ich Wut in mir aufsteigen fühle. Ja, auch ich werde wütend – ich weiß, meine Texte wirken meist sehr reflektiert.

Ich versuche meine negativen Gefühle oft wegzuatmen. Wie Wehen vermutlich :D. Denn

  1. habe ich von Brad Pitt aka David Mills bildgewaltig gelernt: Zorn ist eine Todsünde. Böses Dudu.
  2. Spirit und Erleuchtung und so. Geistiger Frieden ist erstrebenswert, weshalb man negative Geisteszustände wie Wut, Neid oder Eifersucht im eigenen Geist ausmerzen sollte.

Aber scheiße, das ist manchmal einfach anstrengend. Erstens bin ich kein Kirchgänger und zweitens ist bei mir auch manchmal ganz schön dunkel oben in der Birne. 😀 Vermutlich, weil gerade der Glühfaden durchgeschmort ist.

Ich glaube, gerade die umsichtig erzogenen und am spirituellen Weg interessierten Menschen (dazu zähle ich mich auch) sind zerrissen zwischen ihrer authentischen Gefühlswelt und dem „Das macht man nicht weil, das ist unhöflich / sowas von dein Lower Self / schwach … ect.“ Die Liste ließe sich vermutlich endlos fortführen.

Fakt ist aber: negative Gefühle immer zu unterdrücken macht krank. Es kostet Energie. Gern verglichen mit einem Luftballon, den man versucht unter Wasser zu drücken. Lass mal Luft raus vorher. Ein kanalisiertes Ventil zu schaffen ist deutlich gesünder, als jeden Ärger runterzuschlucken. Es nimmt uns die Angst und die Hilflosigkeit. Und es du musst auf dem Weg Richtung deiner Mitte nicht wieder auf Start zurück. Versprochen.

Natürlich muss man immer die Relation zum Auslöser sehen. Auf kleinsten Ärger im Affekt mit unkontrollierten Impulsen zu reagieren ist ebenso wenig förderlich. Aggression schon gleich garnicht.

Aber Ungerechtigkeit, Respektlosigkeit, physische und psychische Angriffe, unangemessene Kritik oder Belästigungen müssen wir uns nicht gefallen lassen. Von niemanden. Nicht von einem nahe stehenden Menschen. Nicht von dem feigen Internettroll, der sich hinter einem Fake-Account versteckt, weil er sich da prima aus der Schusslinie nehmen kann. Auch nicht von uns selbst.

Darüber reden ist ein Anfang. Laut werden. Sich körperlich auspowern. Grenzen aufzeigen. Kreativ werden. Lass es raus. Die Amygdala macht ihren Job nicht ohne Grund.

Manchmal bin ich sogar wütend, weil ich wütend bin. Dann möchte ich meine Wut anschreien und sagen: hau ab, du alte Kackbratze. Und nimm mal den falschen Stolz und die gute Erziehung mit.

So wie eben, als mein fertiger Text zusammen mit dem Computer abgeschmiert ist. Schön das. Wirklich.

Sieben. Nicht Wochentage, nicht Weltwunder oder Zwerge.

Minuten. Knapp sieben Minuten habe ich die Foo Fighters laut mitgesungen. Gut, geschrien. Wie Dave. Dann ging es wieder. Alternativ hilft aber auch: Raus aus der Menschheit, rein in die Natur. Mit Buch oder Musik. Raus mit dem Mief aus dem Ballon. Kurz untertauchen. Dann rein mit der frischen Luft.

Negative Gefühle machen dich nicht zu einem schlechten Menschen. Sie machen dich zu einem Menschen.

7 Gedanken zu “Wutprobe

  1. Schöni sagt:

    Wieder mal der richtige Text zum richtigen Zeitpunkt 💚 Me too. Ich schaue in den Spiegel in die verheulten Augen, die mich an ein früheres Ich erinnern und denke mir: Durchhalten, auch wenn es sich gerade so unglaublich schwer anfühlt. Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Oder andere. Naja, jedenfalls bleibt es nicht so. Um dann wieder in ein Meer von Selbstmitleid, Wut und dem Gefühl alleine zu sein, zu fallen …

    Gefällt 1 Person

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