Wachtraum

Manchmal möchte ich einfach liegen bleiben. Eingemummelt in meine warme Zudecke, die sich im Schlaf zu einem Konglomerat aus Schutz und unentkommbarem Gefängnis gewickelt hat. Um mich.

Ich möchte sagen:
„Tut mir leid, heute nicht. Die Decke ist geschlossen und ich hab den Zahlencode vergessen.

Tut mir leid, heute nicht, ich habe einen wichtigen Termin. Mit mir selbst und diesem Buch, das hier seit Monaten offenherzig rumliegt. Und dem im Wohnzimmer. Und dem im Arbeitszimmer.

Tut mir leid heute nicht, ich habe akute Liegeritis.

Nein, tut mir leid, heute nicht. Weil ich hab einfach keine Lust. Nicht aus Faulheit. Nicht aus Schure. Einfach nur aus Selbstliebe.“

Stattdessen hake ich diese Gedanken in dem kurzen Zeitraum aus Schlaftrunkenheit ab und lasse meinen Fuß aus dem Bett gleiten. Und dann den anderen. Die Decke lässt mich traurig resignierend gehen und denkt klammheimlich: Morgen versuche ich es wieder. Morgen halte ich dich fest. Ganz fest. Morgen lasse ich dich nicht gehen. Vielleicht klappt es ja…

Vielleicht wache ich irgendwann mal in einer Blockhütte am See auf, aus dem der Morgennebel steigt. Vielleicht prasselt dann schon das Feuer im Kamin und der Kaffee dampft aus der Bialetti. Vielleicht liegen ausgelesene geschlossene Bücher in Stapeln umher. Vielleicht…
Träumen ist erlaubt. Auch wach.

Ein Gedanke zu “Wachtraum

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