The person you have called is emotionally not available

Ich starre das Display an.

Beobachte, wie das kleine Wörtchen “online” auftaucht und wieder verschwindet.
Da, weg, da, weg …
Der Dialog darunter – unserer – verändert sich nicht. Weil keine Worte hinzukommen. Alles ist gesagt. Und doch ist so viel übrig geblieben, was man hätte sagen können oder wollen.

Es wäre ein leichtes zu schreiben. So einfach, wie es ist, den Grind von einer verheilenden Wunde zu kratzen. Es ist manchmal fast unwiderstehlich. Es juckt regelrecht. Aber was passiert dadurch? Man reißt die noch nicht gesundeten Abschnitte mit ab und die Narbe wird nur größer.

Wenn die Zeit reif ist, der Prozess abgeschlossen, dann fällt der Schorf von allein ab.

Ist das Abwarten einfach? Nein. Aber an einfachen Wegen ist noch niemand gewachsen. Ein Stück Selbstbeherrschung gehört dazu. Selbstliebe. Akzeptanz. Und auch der Respekt für den Gegenüber. Weil du ihm seine Freiheit zurückgibst; ihn nicht an die Wand stellst. Wenn du dich positioniert, klar geäußert hast was du möchtest, fühlst und erwartest, dann macht es einfach keinen Sinn, alles noch einmal in anderen oder den immer gleichen Worten zu wiederholen. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Ein Nein hinterlässt Leere. Aber schafft somit sehr viel Freiraum für neues.

Loslassen ist schmerzhaft. Manchmal so schmerzhaft, dass es einem die Luft aus den Lungen presst. Aber noch schmerzhafter ist Ungewissheit!

Und auch mir ist manchmal zum Heulen. Wenn die Emotionen mich übermannen und schwallartig aus mir raus wollen. Ich glaube, dass der Körper auf Dinge, die ihm nicht gut tun, nicht nur mit Brechreiz reagiert. Auch die giftigen Gefühle müssen raus. Und damit meine ich nicht die Liebe zu einem Menschen, sondern das, was durch den Abschied von selbiger ausgelöst wird:

Wertlosigkeit. Unsicherheit. Schmerz. Angst. Verletzung. Unverständnis. Verwirrung.

Sie entstehen daraus, dass man sich abgelehnt fühlt. Als sei man nicht genug. Und das mag ja auch sein – aber eben nur ganz persönlich für diesen Menschen und nicht generell. Einer aus 7,5 Milliarden. Eine verschwindend geringe Prozentzahl. Und trotzdem kann er dir die Welt bedeuten. Witzig, wenn es nicht so traurig wäre.

Wenn wir uns abgelehnt fühlen, wird unser Narzissmus aktiviert. Wir möchten so gern gefallen. Er ist abgerichtet auf genau solche Situationen, wartet nur darauf, von der Leine gelassen zu werden und zuzuschnappen.

Versuch ihn zu zähmen.

Wenn du diesem Menschen in all´ deiner unfassbaren Fülle an Schönheit, Geschichte, Charakter, Talent und Liebe nicht genug bist, dann ist es einfach nicht DER Mensch für dich. Dann passen die Puzzleteile schlicht nicht. Versuche nicht, dich krampfhaft anzupassen.

Wenn du ihm genug bist, wird er auch schwere Wege mit dir gehen und dich nicht am langen Arm verhungern lassen.

Derjenige meint es in den meisten Fällen nicht mal böse. (Egomane Psychopathen mal ausgenommen). Hast du IMMER alle Gefühle erwidert, die dir entgegen gebracht wurden? Liebe hält sich nicht per se die Waage. Dafür ist sie viel zu wild und ungezähmt.

Neben dem Narzissmus, der unseren Schmerz intensiviert, ist es auch das – wie wir meinen – plötzlich fehlende Glück.

Als wäre es mit demjenigen aus der Tür gegangen. Jedoch: Glücksgefühle dauern immer nur Momente. Das an was wir hängen, ist die Erinnerung daran. Und die dauert ein ganzes Leben. Unsere Speicher sind somit eigentlich immer gefüllt. Wir sollten nur vermeiden, sie mit negativen Emotionen zu koppeln. Wir  hängen der Vergangenheit nach und sind traurig, dass etwas nicht mehr ist, anstatt dankbar zu sein, dass wir uns in diesem Pool an Erinnerungen erfrischen können.

Ich versuche also Demut zu zeigen. Schließe die Augen und fühle die feste Umarmung, die wir geteilt haben. Fühle zeitstoppende Küsse. Sehe vor meinem inneren Auge die tiefen, alles sagenden Blicke. Ich bin dankbar für diese kleinen Momente an Liebe, die ich fühlen durfte. Ich will sie nicht verteufeln. Weil sie echt waren. Und immer sein werden.

Und hin und wieder belebe ich das Display, indem ich mir deine letzte Sprachnachricht anhöre. Diese eine Stimme unter 7,5 Milliarden. Und dann ist es ein wenig, als könnte ich dir einfach antworten. Wenn ich wollte.

Leider gibt es keinen Schalter, den man umlegen kann. Keinen, der den gefühlt leeren Raum plötzlich wieder mit Licht erfüllt. Man kann nur nach und nach kleine Leuchtquellen schaffen – solang, bis die Sonne ihre Strahlen wieder auf deine nackten Füße wirft.

Und sie wird wieder scheinen! Alles kommt zu dem, der Warten kann.

 

Foto: Photography by Christopher Schmid 

 

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2 Gedanken zu “The person you have called is emotionally not available

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