Wahlqual!

Politik und ich. Wir stehen uns eher argwöhnisch beobachtend gegenüber. Wie ein Nachbar, den man höflich grüßt, aber den Kontakt nicht intensivieren will.
Ich würde das politische Interesse der Bevölkerung mal laienhaft in folgende Stufen einteilen.

  • Stufe 1: Wahl ist mir Wurst. Da geh´ ich nicht hin. Wahllokal? Gibt´s da Schnaps? Auch das Ergebnis ist mir Wurst.
  • Stufe 2: Wahl ist mir Wurst.  Das geh´ ich nicht hin. Hinterher rege ich mich aber tierisch über die Zustände in Deutschland auf. Während ich einen Döner esse und Raki trinke.
  • Stufe 3: Och nö. Schon wieder Wahl. Lust hab ich nicht, aber was soll´s. Ich geh hin. Hab ja ein paar Wahlplakate gesehen, die helfen bei der Entscheidung.
  • Stufe 4: Och nö. Schon wieder Wahl. Lust hab ich nicht, aber was soll´s. Ich geh hin. Ich hab zwar weder Zeit noch Lust, mich intensiv mit den Wahlprogrammen zu beschäftigen, aber es gibt ja wenigstens den Wahl-O-Mat. Ok … dann also DIE PARTEI.
  • Stufe 5: Juchuuuh. Endlich wieder Wahl. Viele Wahlprogramme zum schmökern, Politiker auf Veranstaltungen zum diskutieren und Sonntags 8 Uhr im Wahllokal stehen.
  • Stufe 6: Juchuuuh. Endlich wieder Wahl. Diesmal schaffe ich es in den Bundestag.

Ich selbst würde mich in Stufe 4 einordnen. Politik ist einfach kein Thema, mit dem ich mich gern beschäftige, weil ich es auch nicht in Gänze verstehe. Dafür gibt es Profis, deren Synapsen deutlich besser verknüpft sind, als meine. Eine Empfehlung an dieser Stelle: Birgit Meusel und Frau macht Politik! Chapeau!

  • Stufe 1 – sehe ich fast noch unkritisch. Macht nüscht, beschwert sich aber auch nicht. Geht in die Geschichte ein unter „ferner liefen“. Wird dann unangenehm, wenn er ohne Nachzudenken zum Mitläufer wird.
  • Stufe 2  – nervt mich einfach nur.  Das ist wie:
    „Schatz, was willst du essen?“
    „Ist mir egal!“
    „Ich hab leckeren Porree gemacht!“
    „Ich hasse Porree!“

Wer keine Entscheidung trifft, sollte sich hinterher nicht über die beschweren, die andere für ihn getroffen haben!

  • Stufe 3 – In den letzten Wochen dürfen wir diverse Wahlplakate bewundern. Laternenhoch balancieren die verschiedensten Parteien aufeinander. (Wer entscheidet eigentlich über die Reihenfolge? Ist das wie beim Anschneiden der Hochzeitstorte? Wer ganz oben ist, hat das Sagen?) Die Sprüche auf den Plakaten sind für mich die Rattenfänger der Vorwahlzeit. Abgedroschene Floskeln wie „Frieden!“, „Wir schauen nicht mehr zu!“, „Respekt!“, „Für ein Deutschland , in dem wir gut und gerne leben!“, „Kinder vor Armut schützen!“.

Kannst du das zweifelsfrei jeweils den einzelnen Parteien zuordnen? Merk(el)st´e was? Natürlich sind die Plakate die stummen Sprücheklopfer. Bei den wenigsten würde ich sagen: Stimme ich nicht zu! Ernsthaft: würde ja auch keiner auf sein Plakat schreiben: „Krieg!“ oder „Wer braucht schon Kinder!“ … (Über „Digital first, Bedenken second“ will ich jetzt mal nicht allzu viele Worte verlieren, außer vielleicht: Echt jetzt?!)
Die einzigen „Wahlplakate“ die ich feiere, sind die vom Kirmesverein Gangloffsömmern. Die waren der Thüringer Allgemeine sogar einen Beitrag wert.

  • Stufe 4 – Ich habe keine Zeit mir all´ die Programme vollständig durchzulesen. Vieles verstehe ich nicht, vieles ist zu verstrickt und diplomatisch formuliert. Und zu wieder anderem habe ich einfach keine Meinung. Sorry, aber ist so. Ich weiß aber auch, dass es meine verdammte Pflicht ist, davor nicht die Augen zu verschließen. Und ich weiß, täte ich es, könnte ich sie auch gleich zulassen. Ohren und Mund noch dazu, wie die drei Affen „mizaru, kikazaru und iwazaru“ (aus dem japanischen: nicht sehend, nicht hörend, nicht sprechend).
Die drei Affen
Die drei Affen, Foto: Pixabay

Deswegen nehme ich mir zumindest die Zeit für den Wahl-o-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung und versuche dann, in die Programme meiner Top 3 näher einzusteigen. Das Ergebnis ist kein Entscheider, aber wenigstens eine kleine Hilfe. Eine Art Gradmesser.

  • Stufe 5 – Danke!
  • Stufe 6 – Viel Erfolg!

In welcher Stufe bist du? Geh wählen! Menschen, die reflektieren, sich einbringen und nicht meckernd ins gemachte Nest setzen, sind sexy!
Du bist körperlich eingeschränkt oder zeitlich verhindert? Briefwahl! Mach´ich auch …

Denk auch immer daran:

100 Wahlberechtigte
75 gehen hin
3 wählen „Großen Käse“
„Großer Käse“ bekommt 4 %

100 Wahlberechtigte
50 gehen hin
3 wählen „Großen Käse“
„Großer Käse“ bekommt 6 %

Du bestimmst auch durch Passivität! Lass es dir nicht Wurst sein. Lass nicht den Großen Käse über dein Lebensmenü bestimmen.

Also dann: Prost Mahlzeit, ich kümmere mich jetzt mal um meinen Liebesbrief an die Demokratie!

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