Wär ich jetzt noch da …

… wär ich verliebt in dich.

Teil 5.
Mein zweiter freier Tag.

Gestern hab´ ich mir Farbe gekauft. Einen kleinen Eimer voll reinstem Weiß. Vom letzten Tapetenwechsel waren Fenstersturz und –laibung noch nackt. (Ich habe jetzt bestimmt 5 Minuten gegoogelt um herauszufinden, wie dieses Stück Mauerdings heißt, in dem das Fenster eingesetzt ist. Sturz und Laibung. Meine Fresse. Was wäre ich ohne Google.)

Nackt heißt, befreit von der alten Tapete, aber auch frei von neuer. Weil Putz oder Farbe drauf sollten. Das ist jetzt ungefähr 2-3 Jahre her. Nuja. Aufschieberitis eben. Die wollte ich ja mit meinem Wochenexperiment bekämpfen und offensichtlich trägt das Früchte.

Ich stehe also da in meinem Maleroutfit (nicht), habe alles bestens abgeklebt (nicht) und bin voll motiviert (nicht). Doch zuerst: RADIO.

PULS springt an – und mein Puls wird ruhig. Es läuft: Mine. Habt ihr sehr wahrscheinlich in einem der üblichen Radiosender noch nie gehört, solltet ihr unbedingt nachholen. Mine rockt!

Diesmal ertönt aus den Lautsprechern eine Kollaboration mit dem Rapper Fatoni. „Wär ich jetzt noch da“ sind die ersten Worte die mir heute entgegen gesungen werden.

Das erste was mir in den Sinn kommt: Verpasste Gelegenheiten. Vor allem die Gelegenheit jemandem noch etwas zu sagen bevor er geht. Vielleicht für immer.

Ich stelle mir vor, ich wäre diejenige. Stelle mir vor, ich müsste gehen, mit all´ den Worten im Gepäck, die ich noch hätte sagen wollen. Ich würde schwer daran tragen.

Und doch fällt es uns oft so schwer, einfach auszusprechen was einen bewegt. Meist aus Angst vor der Lawine, die man damit lostreten könnte, obwohl man das gar nicht will. Oder gerade weil man denkt „ändert doch eh nichts“. Die Folgen sind dieselben: akute Verkloßung des Halses und schleichende Beschwerung des Herzens.

Man hat Angst zu sagen, dass man eifersüchtig ist, weil das temporäre Gefühl einen chronisch brandmarken könnte.

Man hat Angst jemandem zu sagen, dass das was er getan hat, einen verletzt hat, weil man nicht als Mimose da stehen will.

Man hat Angst jemandem zu sagen, dass man ihn sehr mag, weil man nicht möchte, dass zu viel hinein interpretiert wird.

Man hat Angst zu sagen, dass man einen Fehler gemacht hat.

Man hat Angst, „leb wohl“ zu sagen.

Man hat Angst, „nein“ zu sagen.

Man hat manchmal sogar Angst, überhaupt irgendwas zu sagen.

Man hat Angst.

Wir haben Angst.

Du, ich und Milliarden andere.
(Bei Trump bin ich mir nicht sicher)

Bei drohenden Konflikten ist das auch durchaus nachvollziehbar. Dennoch müssen sie, wenn einen etwas sehr beschäftigt, in Kauf genommen werden zugunsten des Seelenfriedens.
Bei allem positiven, was man fühlt und sagen möchte, sollten wir versuchen weniger zurückhaltend zu sein. Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn wir jemandem etwas Positives sagen? Wie würdest du persönlich reagieren, wenn dir jemand etwas Schönes sagt? Ganz egal, ob du das gleiche empfindest – es verursacht warme Emotionen.

Du bist schön.

Ich mag die Art, wie du denkst.

Du tanzt unglaublich.

Das hast du gut gemacht!

Es ist ok, das kann jedem passieren!

Ich mag dich.

Ich liebe dich.

Das kannst du viel besser als ich!

 

Und vor allem anderen: DANKE!

Danke, dass du dir Zeit für mich nimmst.

Danke, dass du für mich da bist.

Danke, dass du mir zuhörst.

Danke für die schöne Zeit.

Danke für alles!

Fang am besten noch heute damit an! Damit du nicht irgendwann sagen musst: „Wär ich jetzt noch da…“, wie Mine und Fatoni. Sie wünschen sich übrigens „Alle Liebe nachträglich“, wohl wissend, dass das nicht geht.

Da das Lied heute erst releast wurde (das gemeinsame Album kommt im Oktober), gibt es noch kein Video. Daher überlasse ich euch ein anderes von Mine, mit den wärmsten Empfehlungen:

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