Von Brautmännern und Brauchtümern …

Ihr habt es ja vielleicht schon gelesen, ab dem nächsten Jahr bin ich auch als „nicht geladener“ Gast auf Hochzeiten unterwegs. Nicht als Partycrasher (hoffentlich), sondern als „Zeremonienmeisterin“. Ach herrje, das klingt irgendwie nach Sekte.

Als Teil des Teams um Karoline Großmann schreibe und halte ich ab 2018 auf die Brautpaare individuell zugeschnittene Traureden. Seitdem beschäftige ich mich detaillierter mit Hochzeiten und es kommen mir Fragen in den Sinn, wie: Warum heißt es eigentlich Brautpaar und nicht Bräutigampaar?

Ich recherchiere dann (was hab´ ich früher eigentlich ohne Google gemacht?!), sauge das Wissen in mich auf und teile es mit euch: „Bräutigam“ ist eines der wenigen deutschen männlichen Wörter, das von der weiblichen Form „Braut“ abgeleitet wird. Da Brautmann ziemlich dämlich klingt, wurde mittels lateinischem Wortverwandtschaftseinflusses ein „…gam“ daraus. Schleierhaft (haha, 5 € in die Wortspielkasse) ist mir leider, warum es dann nicht Brautigam heißt. Aber vielleicht spielt dann noch ein wenig orientalische Historie mit hinein. Es soll ja angeblich auch Beziehungsformen mit mehreren Frauen geben. Harem und so …

Aber hier drifte ich ins Spekulative ab.

Neben den Wortstämmen beschäftigen mich dann auch „richtige“ Stämme in Form von Hochzeitstraditionen: Baumstämme – inklusive Grünzeug oben dran nur ohne Wurzeln unten. Ich meine nicht den obligatorischen Stamm vorm Standesamt, der mittels rostiger Säge zerteilt werden soll, sondern eine Tradition in den Tagen vor der Hochzeit. „Tännerchen holen“ – wie es in meinem neuen Landkreis heißt.

Meine erste Assoziation beim Vernehmen dieser Worte war: ALF und seine Familie Tanner. „Schön“, dachte ich in einem stillen, wirren Dialog mit mir selbst, „dann lerne ich den Gordon Shumway auch mal kennen, wir reden über Melmac und naschen Katzenzungen.“ Habt ihr gewusst, dass ALF im gleichen Jahr geboren ist, wie Mozart? Sachen gibt’s …

Ich würde euch gern mal in meinen Kopf einladen, aber meist ist es nicht aufgeräumt.

Zurück also zu den „Tännerchen“: gemeint sind Tannen oder auch Fichten. Die Trauzeugen und ein paar Freunde (meist Teilnehmer des Junggesellenabschiedes) ziehen in der Früh – ohne das Brautpaar – mit einem Kremser los und schlagen Bäume. Natürlich nicht im wörtlichen Sinne, sondern mit der Axt – also: fällen.

Diese werden dann aufgeladen und an den wichtigen Stationen der Verlobten aufgestellt und liebevoll geschmückt. An den Elternhäusern, dem Ort der Trauung, der Feierstätte und dem Heim des Brautpaares entstehen so jeweils kleine Spaliere an den Eingängen, durch die das Paar schreiten kann. Dieser Brauch soll Glück bringen und ist ein Zeichen von Verbundenheit und Freundschaft. Oft nehmen sich die Freunde/Verwandten dafür sogar extra Urlaub.

Weil diese Prozedur sehr, sehr anstrengend ist, ist der Flüssigkeitsbedarf recht hoch und damit auch der Verbrauch an diversen Getränken alkoholischen Ursprungs. Und wie sagt man so schön: weil da relativ wenige Vitamine drin sind, muss man relativ viel davon trinken. Hier und da wird das Ganze dann mit dem Polterabend verbunden und kann unter Umständen sogar zu einem richtigen Volksfest werden.

Ich finde diese Tradition sehr schön und der Zusammenhalt beeindruckt mich.
Das kenn´ ich als Städterin so nicht, allerdings stelle ich es mir auch relativ schwierig vor, das in einem Elfgeschosser (in dem ich aufgewachsen bin) umzusetzen.
Da würden ja das ganze Jahr Spaliere vor dem Eingang stehen, bei der Menge an Leuten, die in einer „Platte“ wohnen. Wobei ich mich mit dem Gedanken doch ein wenig anfreunde – für mehr grün im grau.
Bitte lauft jetzt nicht los und sägt wahllos Bäume am Straßenrand oder im Park ab! Erstens gibt es dafür Anbieter (wie die „PBB Pflanzenbau Ballhausen KG“) und zweitens fände ich es fast noch romantischer, welche einzupflanzen und oder in Töpfen dort hin zu stellen.

Denn so schön es sein kann, bei einem romantischen Kaminfeuer die getrockneten Hochzeitsbäume knistern zu hören – noch schöner wäre es doch, sie wachsen zu sehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Wurzeln zu schlagen; anzukommen.

So, wie es bei der Liebe eben sein sollte …   

Annemi und Alex, diesen Text widme ich euch! Alles Gute für eure gemeinsame Zukunft – ihr seid ein tolles Paar!

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