Hug you statt f*** you

Kann man noch guten Gewissens „GUTEN Morgen“ sagen?

Fühlt es sich nur für mich so an, oder ist es fast schon Normalität, dass man – je nachdem wann man ins Bett geht – entweder mit der Nachricht eines Anschlags einschläft oder eben morgens mit einer solchen aufwacht? Und fühlt es sich nur für mich so an, oder tangiert das genau deshalb immer weniger Menschen?

Ich erwische mich selbst dabei, dass ich denke „schon wieder“. Und zwar mittlerweile kein entsetztes „schon wieder“ mehr, sondern ein nüchternes „wo denn diesmal“. Und ich könnte mich ohrfeigen für diese automatisiert generierten Gedanken.

Und dann stehe ich plötzlich nicht mehr drüber.

Was ist nur mit der Welt los? Wo sind die Kinderseelen in uns?
Kinder begegnen dem Leben mit einem Lachen. Und früher oder später wird ihnen diese Lebensfreude abtrainiert. Ausgemerzt.
Ich kann mich noch genau an das erste Mal erinnern, dass ICH echte, pure Angst empfunden habe. Nicht diese „Ich hab Angst ins Wasser zu Springen“-Angst, sondern eine reelle Angst vor der Welt.
2. Golfkrieg. 1990. Ich war 8 Jahre alt und eine Lehrerin erklärte uns in allen Details, was in einem solchen Krieg passiert und was das auch für Auswirkungen auf uns, die wir uns vermeintlich sicher wähnen, haben kann. Ich bin mit Angst im Herzen nach Hause gegangen. Ich hatte Angst um das Licht in dieser Welt.

Und das passiert täglich da draußen. Leider sind es oft genug für soviele Menschen eben keine „Geschichten“ sondern wirkliche Erlebnisse. Ich kann nur ahnen, welchen Schmerz das verursacht.
Wie weh es tut, wenn wieder eine Kinderseele in einem Menschen stirbt. Wie weh es tut, wenn das Licht erlischt.

Nizza. Wieder 80 Tote.
Und wir jagen Pokémon.
Ich bin dankbar für diese „Leichtigkeit“, die uns vergönnt ist.
Aber ist es nicht auch unglaublich absurd?
Ich fahre mit diesen Gedanken durch meine „neue“ Heimat. Raus aus einem Haus, das viel zu groß ist, um zu zweit darin zu wohnen. Vorbei an saftig grünen Wiesen und leuchtend gelben Feldern, die zur Ernte fast bereit sind.
Und mir zerspringt das Herz vor Glück.
Und mir zerspringt das Herz vor Schmerz.

Wir sprechen den Angehörigen dieser Anschläge im Netz „Anteilnahme“ aus. Verbundenheit. Wir fühlen mit euch.
Aber machen wir das überhaupt noch? Würden wir nicht, wenn wir jeden Schmerz mitfühlen würden, elendig daran zugrunde gehen?
Stattdessen floskeln wir uns durch die Welt.
Wir haben ja Anteil genommen.
Und dann jagen wir Pokémon.

Kriege hat es schon immer gegeben. Das weiß ich. Es wäre abstrus zu glauben, dass das plötzlich aufhören kann. Aber über 2.300 Tote in den letzten 12 Monaten durch politisch motivierte Attentate? Wo kommt all´ dieser Hass her? Wie viel Angst, wie viel Gleichgültigkeit muss in diesen Menschen stecken? Wie früh muss deren Kinderseele gestorben sein? Wie dunkel muss es in ihnen sein?
Über 2.300 Tote bei fast 80 Anschlägen.
9 davon in der „westlichen“ Welt. Der Rest? Irak, Syrien, Türkei, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Israel. Und für wie viele davon sind wir unbewusst verantwortlich?

Ich weiß, dass es nicht viel ändert, aber:
Wünsch den Menschen, denen du begegnest heute einen schönen Tag. Lächle sie an. Egal, ob es die Putzfrau ist, dein nöliger Nachbar oder eine Kollege, den du nicht magst.
Lege Streit bei.
Sei freundlich.
Jeder, dem du begegnest, hat mit etwas zu kämpfen, von dem du keine Ahnung hast.

SEI DANKBAR!

Und im besten Fall: umarme sofort jemanden. Dein Kind, deine Freundin, deinen Kollegen.

Hug you, statt f*** you!!

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