Geblitzdingst …

Frostige Zeiten sind angebrochen. Sowohl was die Temperaturen angeht, als auch mental.
Meine Begeisterung für die ländliche Idylle wird auf eine harte Probe gestellt.

Warum?
Drei Dinge: Gasfuß, Blitz, Führerscheindiät.

Jaaa, ja ich weiß. Selbst Schuld! Warum hast du dies, warum hast du das nicht, das weiß man doch … blablabla. Von B. bis zum freundlichen Innendienstbeauftragten der örtlichen Polizeidienststelle habe ich alle Belehrungen durch. Zu Genüge! Inklusive lustigen „Na, dann fahr doch jetzt mit der Vespa“-Witzen.

Mein Gefühl für passende Geschwindigkeit ist einfach nicht konform zur Auffassung der dafür Verantwortlichen. Es betraf eine Strecke, bei der die Maximalgeschwindigkeit heruntergesetzt wurde, weil sie seit einiger Zeit in einem „Erdfallgebiet“ liegt. Mir erschließt sich beim besten Willen nicht, warum ich da jetzt langsamer fahren soll. Da will ich doch schnell weg! Nackte Angst saß mir im Nacken. So gesehen, war das Selbstschutz, ja, NOTWEHR!!

Aber sei´s drum. Ich steh ja zu meinen Fehlern, ich mach schließlich selten bis nie welche. (Wieso kann ich plötzlich meine Nase sehen? Egal.)

Ich ergebe mich also seit Anfang des Monats der Selbstgeißelung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir erinnern uns jetzt alle an meinen freudigen Wegzug aus der Großstadt. In ein Städtchen, dessen Bahnhof dort nur zur Deko steht und dessen Busse am Wochenende nur als „Ruf-Busse“ unterwegs sind. Das heißt, man muss sich anmelden, wenn man an einem Sonnabend Verkehr haben will – also Busverkehr. Und zwar rechtzeitig von Montag bis Freitag. Was ziemlich blöd ist, wenn einem das erst Samstag auffällt.

Ich wäre ziemlich aufgeschmissen, wenn nicht ein paar Freunde Mitleid mit mir hätten. An dieser Stelle Danke an alle, die für mich Umwege in Kauf nehmen, nur damit ich auf Arbeit oder/und wieder nach Hause komme. Ich bin euch was schuldig!

Aber auch Danke an meine Freullegin (das ist eine Mischung aus Freundin und Kollegin – sowas habt ihr doch sicher auch?!), die mir so manche Fahrt mit der Straßenbahn und so manchen Fußweg von der Haltestelle zum Arbeitsplatz erträglicher gestaltet hat.

Danke aber auch an das Wetter, das extra für mich im Oktober schon mal Schnee und Minusgrade organisiert hat. Sehr witzig, liebes Leben!

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Es hat allerdings auch viel Schönes. Ich schwimme schon zu Zeiten als Fisch im Gesellschaftsmeer, da steh ich sonst noch vorm Kleiderschrank und überlege was ich anziehe. Das kann sehr einsam sein. Jetzt habe ich Menschen um mich rum, ununterbrochen ab Frühs 6 Uhr. Super.

Schön auch, mal unbesiedelte Bahnhöfe um 5:50 Uhr morgens zu sehen, mit idyllisch zugenagelten Bahnhofsgebäuden und imaginären Steppenläufern, die über die Bahnsteige wehen … leise höre ich die Mundharmonika an meinem Ohr: „Spiel mir das Lied vom toten Bahnhof!“. Hach.

Dafür begrüßt die Schaffnerin im Zug die anwesenden Fahrgäste mit „Moin Mädels, ich bins.“ Das nenn ich nah am Kunden!

Bald habe ich es geschafft, noch eine gute Woche, dann darf ich wieder selbst ans Steuer. Und irgendwie bin ich mir sicher, dass mir ein paar liebgewonnene Momente fehlen werden.

Apropos fehlen, tot und Frost. Die obige Gegebenheit kann noch getoppt werden.
Ich habe eine traurige Mitteilung zu machen.

Mein Beld, in dem alle meine Kraft und Arbeit steckte, das ich so sehr hasslieben lernte:
es ist nicht mehr unter uns.
Also der Boden schon, aber sämtliche Pflanzen – Tomaten, Zucchini, essbare Blüten und die mit Spannung erwarteten Kürbisse – sind hin. Ein Bild des Elends bot sich mir, als ich eines schönen, unbeschwerten Tages vorbeijoggte.

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Die Diskussion, ob es sich um Väterchen Frost (es war weit vor dem Schnee), einen Pilz oder doch ein feindlicher Angriff von Kartoffelkäfern war, konnte zu keinem zufrieden stellenden Abschluss gebracht werden.

Ich bin traurig. Wo ist eigentlich Will Smith mit seinem Blitzdings, wenn man ihn mal braucht?

Ich werde viele traurig guckende unreife Kürbisse schnitzen. Oder wütende. Oder verrückte. Oder alles.
War die Entscheidung am Ende doch keine gute?

Wer mir die Tränchen trocknen und Courage für die nächste Saison zusprechen will, ist herzlich willkommen.

Ein entmutigtes Stattstadtmädchen

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