Geduld

PicsArt_1434366232021Das mit der Geduld ist so eine Sache. Früher hatte ich einfach keine Zeit dafür. In den letzten Jahren versuche ich mich selbst ein wenig zu mehr Gelassenheit zu erziehen. Frei nach dem spirituellen Gesetz: Jeder Moment in dem etwas beginnt, ist der richtige Moment.

Für B. bin ich vielleicht zu gelassen. Für mich ist er vielleicht einen Tick zu ungeduldig. „Ich warte dann schon mal draußen!“ ist mittlerweile schon ein geflügeltes Wort bei uns. Er schon im Auto. Ich noch im Snoopy-Schlafanzug. Aber man kann eben nichts erzwingen.

Das versuchte ich mir die letzten Wochen dann auch in Sachen Blog zu sagen. Der letzte Beitrag ist ja schon eine Weile her … Aber was soll man machen, wenn die Muse plötzlich weg ist und einfach nicht wiederkommt. Ich war oft kurz davor, mir eine neue zu kaufen. Aber nein: Geduld! Ich schon am Rechner, sie noch im Snoopy-Schlafanzug funktioniert eben nicht, das bringt nur Chaos und schlechte Laune.

Also erst mal Urlaub, da wird schon ´ne Eingebung kommen.

Erste Station: Schweiz – Nichts.
Zweite Station: Hamburg – Nada
Dritte Station: Sankt Peter Ording – Niente.

Also, Themen gab es da schon, aber eben einfach keine Muse. (Wo ist die blöde Ziege nur schon wieder?!). Eine weitere Woche verging, ohne Input.

Dann eben nicht. Soll sie doch bleiben, wo der Sellerie wächst. Apropos Gemüse – ins Beld müsste ich auch mal wieder. Das Unkraut feiert uneingeladen auf meinem Acker Party und da muss ich jetzt einschreiten.

Also habe ich mich zum Sonntag mit Hacke und Schaufel bewaffnet und bin in den Krieg gezogen. Kaum dass ich zehn Minuten meine besten „Martial Arts Unkrautkampfkünste“ vollführt hatte, spürte ich es.

Sie war weg.

Nicht die Muse.
Sondern die Unruhe. Der innere Sturm, der manchmal in einem tobt, der Regenwolken ins Herz schickt und mit klirrend kalter Luft die sonnigen Gedanken verjagt.

Einfach weg.

Faszinierend was die Natur alles schafft. (Wer mein Therapiebeld nutzen möchte, bitte PN :D)

Ich habe mich also ganz den Arbeitsabläufen hingegeben und mit Musik im Ohr das Leben gespürt.
Ja, Musik. Das Stadtmädchen in mir kann noch nicht so ganz mit Stille umgehen. Bei mir läuft permanent Musik, und wenn nicht aus einem technischen Gerät, dann in meinem Kopf. Also gibt’s auch beim Unkrautkampf den passenden Soundtrack. Mal ganz davon abgesehen, brauche ich das integrierte Navi um mich in meinem Beld nicht zu verlaufen. Es gibt mir zudem ein sicheres Gefühl, dass ich per GPS geortet werden könnte, falls ich doch verloren gehe. Ich würde sogar Runtastic nebenbei laufen lassen, allerdings ist Spontanvegetations-Fight noch nicht als Sportart hinterlegt. (Ich gedenke, mich diesbezüglich mit einer heftigen Beschwerde an die App-Erfinder zu wenden. So was mögen die).
Das ist Landarbeit im Stattstadtmädchenstyle.

Und dann passierte das zweite kleine Wunder: Meine Muse war da. Sie fiel mir beim Anhäufeln der Kartoffelpflanzen (Das klingt lustiger als es ist und bitte verbannt das Bild aus eurem Kopf, das ist privat!) in die Hände. Und jetzt wusste ich auch, warum sie mich nicht finden konnte. Sie war eine Kartoffel! Und die haben bekanntlich zwar mal Augen, aber eben keine Beine.20150614_112016_resized

Meine erste Kartoffel. Winzig und wunderschön. Ich hätte Makarena tanzen können, so glücklich war ich. Sofort hüpften die Gedanken von Hirnzelle zu Hirnzelle. Was mache ich jetzt mit diesem besonderen Geschöpf? In ein Buch legen und zum Trocknen pressen? Als Anhänger für eine Kette? Ich könnte noch kleinere ausgraben und passende Ohrringe draus machen. Oder ich mach eine Leine dran und geh Gassi durch meine Hood … So viele Ideen.

Auf Essen bin ich nicht gekommen … Naja. Wie gesagt, ich arbeite noch an mir.

Ich sehe also meine kleine Musenkartoffel (Gedankenblitz: Kartoffelmus könnte ich machen) als kleinen Hinweis vom Leben: alles kommt zu dem, der warten kann. Und das geb ich an euch weiter: habt Geduld. Lasst auch mal los. Oder mit den Worten von Christian Morgenstern:

„Siehe eine Sanduhr: Da läßt sich nichts durch Rütteln und Schütteln erreichen. Du mußt geduldig warten, Körnlein um Körnlein …“

Und dann hört irgendwann nicht nur der Sturm auf, sondern – ganz unbemerkt – auch die Musik im Ohr. Und weicht einer friedlichen Stille.

Euer gelassenes Stattstadtmädchen

P.S.: Das mit dem Snoopy-Schlafanzug war übrigens Spaß. Ihr habt das geglaubt? Ernsthaft? Bitte! Werdet erwachsen. Snoopy. Tss. Auf meinem Schlafzeug ist natürlich Batman!

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Ein Gedanke zu “Geduld

  1. Miss Sophie sagt:

    Liebes Stattstadtmädchen,

    wie erfrischend Sie schreiben… Immer wieder gern lese ich Ihre Beiträge und bin höchst amüsiert. Bitte mehr, viel mehr davon! Ich bin einer Ihrer größten Fans!

    Liebste Grüße
    Miss Sophie

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