Vatertag

Pünktlich um 8 Uhr habe ich B. auf Wanderschaft geschickt. Am Männertag ist das im ländlichen Gebiet wohl so, dass sich die Herren alljährlich beweisen müssen, dass sie auch mehrere Stunden in der Wildnis überleben können. Damit sie nicht elendig verdursten, nehmen sie Bier (sättigt zudem) und kleinere Schnäpse mit (kurzfristiges Erwärmen oder zur Mutaktivierung, falls wilde Tiere wie Rehe oder Dinosaurier den Weg kreuzen). Ich würde mich das niemals trauen – Stadtmädchen eben 😉

Wie dem auch sei, ich freute mich auf einen freien Vormittag und entschloss mich, joggen zu gehen. Clever wie ich bin, entschied ich mich, einen ruhigen Feldweg statt der Straße zu nehmen, um den Männer-Wildnis-Zufahrts-/laufsströmen zu entgehen.

Erfahrene Nichtstädter dürften hier bereits lachen. Zu Recht.

Kaum, dass ich auf den Feldweg gebogen war, sah ich es in ein paar Hundert Metern Entfernung vor mir: Traktor + Anhänger + männliche Feieristen, die wahrscheinlich mit eben dieser Zugmaschine irgendwo in der Wildnis ausgesetzt werden sollten. In Fetzen drang die Partymusik an mein Ohr (vermutlich um wilde Tiere zu vertreiben) und das Schild mit der Maximalgeschwindigkeit 6 km/h stach mir ins Auge. Alle für diesen unvorhersehbaren Vorfall zuständigen Synapsen in meinem Kopf arbeiteten:

  • Bist du langsamer und kannst gemütlich Abstand gewinnen? Synapse: „Nein!“
  • Kannst du elegant links oder rechts abbiegen, bevor du den Tross erreichst? Synapse: „NEIN!“
  • Kannst du umdrehen? Synapse: „NEIN! STADTFEIGLING!“
  • Kannst du wenigstens noch Lächeln? Synapse: Lacht mich aus … (Blöde Kuh die!!)

Nun gut, also langsam ran gejoggt, ein souveränes Lächeln aufgelegt, japsend einen schönen Feiertag gewünscht und rechts im Takt der Musik überholt. Begleitet von Anfeuerungsrufen. (Wie der Vergleich zu einem alten Schweden entstand, überlege ich immer noch). Kaum, dass ich überholt hatte, wechselte der Empfänger der Anfeuerungsrufe von mir zum Traktorfahrer, der freundlich angeschrien wurde doch VERDAMMT noch mal GAS zu geben. „2 PS SIND DOCH NOCH DRIN!! FAAAHHR!“

Aber nichts da! Ich bin eben flink wie ein Wiesel. Also, ein altes. Mit ´nem sehr schweren Rucksack auf. Aber eben immer noch schneller als das Partygefährt. Vor mir tat sich endlich eine ersehnte Gabelung auf und ich bog intuitiv nach rechts ab.

JA! Der Feiertross fuhr links. Check.
NEIN! Bei mir geht es bergauf. Dreck.

Die Synapse, die zuletzt gelacht hatte, sprach nun voller Mitleid zu mir: „Stadtmädchen, Popsbacken zusammen kneifen, du darfst jetzt nicht zusammenbrechen. Die gucken bestimmt noch!“. Gesagt, getan: ich lief in unverminderter Geschwindigkeit den Berg hinauf bis ich mich traute einen Blick zurück zu werfen, um mich zu vergewissern, dass die Survivalmänner aus dem Sichtfeld waren. Göttin sei Dank war das der Fall und ich konnte schließlich langsamer werden, um das panische Brennen in meinen Lungen mehr genießen zu können. Was ein Spaß! Den grünen Smoothie danach habe ich mir verdient!

Ganz ehrlich? Nächstes Jahr geh ich wandern!

 

Smoothie-Energie
Smoothie-Energie

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Vatertag

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